Der Sommer 2018 geht in die Geschichte ein.

Nicht nur, weil er zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichungen zählt. Auch weltpolitisch herrschte der reinste Aufruhr, speziell in Hinblick auf das erhitzte Verhältnis zwischen Trump’s Amerika und Xi’s China. Fast keine Woche ist seitdem vergangen, in der sich die Meldungen über Möglichkeiten und Auswirkungen des Handelskonflikts überschlugen.

Aus einem Handelstreit wurde ein Handelskrieg wurde ein neuer Kalter Krieg. 

Kalt ist es in unseren Breiten inzwischen, aber Krieg?

Stand der Dinge: Nach dem G20 Treffen letztes Wochenende in Argentinien endlich durchatmen. Ein 90-tägiger Waffenstillstand wurde feierlich vereinbart. Beide Seiten wollen außer ihrer Rhetorik auch was Strafmaßnahmen betrifft, abrüsten. Eine kleine Atempause, mehr nicht? Neben den vordergründigen Fragen zu Strafzöllen und Handel stehen u.a. auch heikle Themen wie

  •   erzwungene Technologie-Transfers
  •   Schutz des Urheberrechts
  •   Cybersicherheit und Cyberattacken

,auf der Agenda. Hier steht nicht nur ein Elefant im Porzellanladen, es ist eher eine ganze Herde, schließt man Umweltprobleme oder industrielle Überkapazitäten mit ein. Die vereinbarten Gesprächsrunden in den nächsten Wochen werden zeigen, ob es beiden Seiten gelingen wird diese „Vernunftehe“ auf einer kooperativen Basis weiter zu führen, oder ob es zu einem konfrontativen Beziehungsstatus kommt, der sehr ungemütlich für die Betroffenen samt der erweiterten Familie werden könnte.

Eine Auswahl zu weiteren wichtigen Themen der vergangenen Woche gibt es hier….

一 Xis große Tour durch die spanisch- und portugiesischsprachige Welt

Präsident Xi befindet sich auf großer Tour durch die spanisch- und portugiesischsprachige Welt. Zuerst ging es nach ein paar Tagen in Spanien weiter nach Argentinien, von dort nach Panama. Gerade macht Xi noch kurz in Portugal Halt, bevor es zurück geht ins Reich der Mitte. Im Reisegepäck: Milliardenschwere bilaterale Handelsabkommen mit den jeweiligen Gesprächspartnern.Diese jüngsten Staatsbesuche, samt der daraus resultierenden Vereinbarungen zur stärkeren Zusammenarbeit, sowohl bei den EU-Mitgliedern Spanien und Portugal als auch in Lateinamerikanischen Staaten von Argentinien bis Panama, sind Paradebeispiele für die Langzeitstrategie Pekings: Ob auf dem Balkan oder in Lateinamerika, China nimmt die von Brüssel oder Washington hinterlassenen Spielräume geschickt ein, folgt seinen Interessen und baut seinen Einfluss stetig aus. Auch auf dem afrikanischen Kontinent lässt sich dies schon lange beobachten.Wie so oft stellt sich auch hier die Frage nach den Chancen und Risiken. In der EU können solche bilateralen Vereinbarungen mit Mitgliedsstaaten (z.B. Griechenland, Ungarn, Italien) und potentiellen Kandidaten (z.B. Serbien) Grundsteine für mögliche zukünftige Interessenskonflikte unter den Mitgliedsstaaten entstehen. Der wirtschaftliche und politische Einfluss aus Fernost könnte somit die ohnehin schon schwierige Konsensfindung auf europäischer Ebene zusätzlich erschweren.

Mehr zum Thema:

FAZ: Die Vereinigten Staaten und China ringen um die Vormacht in Lateinamerika

NZZ: Chinas Einfluss in Brasilien wächst rasant

WELT: Wie China Afrika bewaffnet

NZZ: Europas lähmende Angst vor Afrika

SPON: Der Klügere ist China

二 China’s internationale Imagekampagne

Um erfolgreich und beliebt zu sein, braucht es heutzutage eine gute Geschichte, ein „Narrativ“.Multiplikatoren des chinesischen Narrativs sind die erst 2004 ins Leben gerufenen Konfuzius-Institute zur Vermittlung der chinesischen Kultur, von denen es weltweit inzwischen über 500 gibt. Und natürlich sollen die Medien, allem voran die Nachrichtenagentur Xinhua und das China Global Television Network, China’s Bild in der Welt aufpolieren und die chinesische Sicht der Dinge propagieren.

Mehr zum Thema:

NZZ: Chinas Medienförderung

FAZ: Mit Konfuzius zur wissenschaftlichen Vormacht

WELT: Konfuzius-Institute in Deutschland

DER STANDARD: US-Uni wirft Chinas Konfuzius hinaus

三 Deutsch-chinesische Börse expandiert

Der Vorstand der im Herbst 2015 in Peking gegründeten deutsch-chinesischen Frankfurter Handelsplattform Ceinex geht nach schleppendem Anlauf erneut in die Offensive und plant den Ausbau des Produktangebots, wie das Handelsblatt berichtet.„China sieht die Ceinex als wichtiges Puzzleteil bei der Öffnung seiner Kapitalmärkte und bei der Internationalisierung der Landeswährung Renminbi.“Derzeit haben Anleger die Wahl zwischen 14 ETFs, 40 Bonds und einer D-Aktie. Der inzwischen weltweit größte Haushaltsgerätehersteller Haier war das erste chinesische Unternehmen, welches den Börsengang im Oktober vollzog. Weitere börsennotierte Privatunternehmen aus der Volksrepublik sollen folgen.

Mehr zum Thema:

ARD: So kommen die Chinesen an die Frankfurter Börse

WIWO: Haiers Börsengang in Frankfurt

四 Bundespräsident im Reich der Mitte

Frank-Walter Steinmeiers letzter China-Besuch liegt etwas zurück. 2003 besuchte er das Land zuletzt, damals in seiner Funktion als Kanzleramtschef, danach auch als Außenminister. Und jetzt verbringt er als Bundespräsident fast eine ganze Woche bereist er das Land; Guangdong, Sichuan, Peking. Auf der Webseite des Bundespräsidenten heißt es:

„In Peking wird der Bundespräsident mit militärischen Ehren empfangen und führt Gespräche mit Staatspräsident Xi Jinping sowie Ministerpräsident Li Keqiang. Außerdem trifft er chinesische Intellektuelle und besucht das Atelier des Künstlers Xu Bing. Der Bundespräsident führt in Peking zudem Gespräche zu den gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen des digitalen Wandels durch Künstliche Intelligenz und Big Data sowie zum Thema E-Government.“

Mehr zum Thema:

DW: Bundespräsident Steinmeier in China

YOUTUBE: Trailer zu Xu Bing’s Filmprojekt

五 Lesens-/Sehens-/Hörenswertes

WELT: Künstliche Intelligenz – China’s schrecklich smarte Zukunft

SZ: Nationalschnaps Baijiu – Wie flüssige Rasierklingen

TAZ: Hamburgs vergessenes „Chinesenviertel“

WELT: Interview mit KUKA-Aufsichtsratschef Andy Gu

HANDELSBLATT: KI made in Europe

SPON: Multimedia-Reportage zu chinesischen Straflagern

 

 

 

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