Momentaufnahme:

Die Symbolkraft der Huawei-Affäre ist gewaltig. Vordergründig geht es um den Vorwurf des Verkaufs von Computerausrüstung in den Iran und damit die Umgehung von Iran-Sanktionen, welche zur Verhaftung der im Volksmund genannten „Prinzessin“, Sabrina Meng Wanzhou, führte. Sie wird der „Verschwörung zum Betrug von Finanzinstitutionen“ beschuldigt. Am heutigen Montag steht eine weitere Gerichtsverhandlung an, bei der u.a. die Frage einer Freilassung gegen Kaution und eine mögliche Auslieferung an die USA verhandelt werden, wie es die US-Regierung fordert. China hingegen fordert die sofortige Freilassung Mengs und pocht auf die Wahrung der Menschenrechte, welche in den Augen Pekings rabiat verletzt wurden und bestellte bereits den US-Botschafter ein.

Huawei ist das (bisher) einzige Technologieunternehmen aus China, welches sich auf internationaler Ebene die Marktführerschaft in einem für die nahe Zukunft wegweisendem Bereich erwirtschaftet hat. Neben der Fertigung von Smartphones gehört dazu auch das Bereitstellen von Netzwerktechnologie und Cloud-basierten Diensten. Also alles essentielle Bestandteile für unsere vernetzte Zukunft unter dem Motto „Internet der Dinge“ und „Industrie 4.0“.

Die Technik: Erst 2G, 3G, 4G, und hierzulande bald auch 5G. Die fünfte Generation des Mobilfunkstandards kommt und soll die Basis schaffen für die (fast) flächendeckende Verknüpfung von Geräten und Maschinen in Echtzeit, wichtig z.B für autonomes Fahren, „Smart Home“ und Künstlicher Intelligenz. 2019 sollen die deutschen 5G Netzfrequenzen versteigert werden. Die Netzwerkinfrastruktur zum Auf- und Ausbau kommt vom Weltmarktführer auf diesem Feld. Und der kommt aus China. Huawei ist wichtiger bzw. wichtigster Techniklieferant von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefonica.

Diese Marktmacht löst inzwischen Unbehagen aus, besonders bei den USA, aber auch unter den vier restlichen Mitgliedern des sogenannten „Five Eyes“-Netwerks (Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien). Aus Angst vor Cyberattacken oder einem Kontrollverlust über die sensible Infrastruktur haben sie bereits Tatsachen geschaffen und aus sicherheitsrelevanten Gründen die Zusammenarbeit mit Huawei beim Netzausbau vorerst auf Eis gelegt.

Das Klima ist frostig und laut Washington habe auch Deutschland sich zu sehr abhängig gemacht und solle, zusammen mit Japan und Italien, Huawei vom Netzausbau ausschliessen, berichten Deutsche Medien. Die Ängste vor einer zu großen Dominanz von Huawei gehen demnach auch unter deutschen Managern der Branche um. Ob das im November von Huawei in Bonn eröffnete „Security Innovation Lab“ diese Ängste entkräften kann, bleibt abzuwarten. Das Bundesministerium für Sicherheit in der Infomationstechnologie findet den dabei gewährten Einblick in seine Technik jedenfalls toll.

Ausblick: Obwohl Manipulationen von Huawei-Komponenten bisher unbewiesen sind, werden Spionage-Vorwürfe lauter und die Angst vor einer technologischen Abhängigkeit wächst. Weiter steht die Befürchtung im Raum, das der chinesische Staat über Huawei Zugriff auf sensible Daten, oder den Zugriff auf Strom- oder Energienetze, erhalten könnte. Das solch ein Vorgehen weder unmöglich noch unwahrscheinlich ist, haben z.B. die NSA-Enthüllungen um Edward Snowden bereits offengelegt.

Bei diesem Konflikt geht es also um mehr als die vordergründigen Vorwürfe gegenüber Huawei und seiner Finanzchefin Meng. Auf den Punkt gebracht geht es darum, wer in Sachen Netzwerktechnologie zukünftig auf der Überholspur der Datenautobahn mitfährt und diese weiter ausbaut, und wer nicht.

Deutschland und die EU sollten sich eher heute als morgen mit diesen Fragen zu Sicherheit und Stabilität auf nationaler und EU-Ebene befassen. Mit Nokia und Ericsson  immerhin zwei europäische Firmen, die mit der US-Firma Qualcomm zusammenarbeiten und im G5-Wettrennen mitmischen.

Auf globaler Ebene geht es auch hier um den Konflikt zwischen einer herrschenden und einer aufstrebenden Großmacht. Je mehr das Leben sich in den virtuellen Raum verlagert, desto  mehr wird dieser zu einem der umkämpftesten Schlachtfelder um die digitale Vorherrschaft.

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