Dobry wieczór, Katowice

Mit über 20.000 Teilnehmern aus fast 200 Staaten endet heute die fast zweiwöchige Weltklimakonferenz COP24 in der schlesischen Kohlehochburg Kattowitz offiziell. Weil eine Einigung fehlt, muss inoffiziell weiter verhandelt werden.

COP24 steht für „Conference of the Parties“, den Unterzeichnern des Umweltabkommens von 1992 in Rio de Janeiro, und ist das 24. Treffen seit dessen Inkrafttreten. Maßnahmen zur praktischen Umsetzung des Pariser Übereinkommens von 2015 sollten hier und jetzt in Form eines verbindlichen Regelwerks beschlossen werden, und ein Dialog-Forum außerdem zur besseren Umsetzung der globalen Klimaziele beitragen.

Oberstes Ziel: Die Erderwärmung soll auf 2 Grad, besser noch auf 1,5 Grad begrenzt werden.

Stand der Dinge Freitag Abend MEZ: Keine Einigung in Sicht. Es geht um viel Geld und Recht.

China nimmt mit gut 90 Teilnehmern an der Konferenz teil und nutzt den chinesischen Landespavillon auch für eigene Veranstaltungen zu „grünen Entwicklungsprojekten“ im Rahmen der Neuen Seidenstrasse. Die chinesischen Erwartungen anläßlich des Gipfels in Polen sind dreierlei und wurden Ende November vom Informationsbüro des Staatsrats auf einer Pressekonferenz formuliert.

Erstens, man müsse sich auf „Richtlinien“ zur Umsetzung des Pariser Abkommens einigen.

Zweitens, der Dialog zwischen den Staaten und der Austausch erfolgreicher Erfahrungen solle den Übergang zu einer grünen und nachhaltigen Entwicklung fördern.

Drittens, bisherige Zusagen und deren Umsetzung müssten im Rahmen des Dialogs überprüft werden. Vor allem, ob die Industrieländer ihren versprochenen finanziellen Zusagen von $100 Milliarden jährlich bis 2020 nachgekommen sind.

China, selbst ein großes Entwicklungsland, habe große Fortschritte gemacht: Das Ziel, den Kohlenstoffausstoss bis 2020 um 40-45% im Vergleich zu 2005 zu reduzieren, wurde bereits 2017 mit 46% übertroffen. Die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien um etwa 15% bis 2020 lag im letzten Jahr bereits bei 13,8%, Tendenz steigend. Und die Wiederaufforstung um 1,3 Mrd. Kubikmeter bis 2020? Das Mehr an Wald beläuft sich bereits jetzt auf 2,1 Mrd. m³.

Auch der Aufbau eines landesweiten Marktes für den Handel mit CO2-Zertifikate sei ein voller Erfolg. Dieses nationale Emissionshandelssystem beschränkt sich bisher auf den Energieerzeugungssektor, soll aber zukünftig auf weitere Bereiche ausgebaut werden.

Im Rahmen der Seidenstrasse stünden besonders die sogenannten „Süd-Süd-Kooperationen“ im Vordergrund. Chinas grüne und CO2-arme Praktiken sollen in den am Seidenstrassenprojekt teilnehmenden Ländern eingeführt werden und dabei das alte Entwicklungsmuster „erst verschmutzen, später aufräumen“ der Industrieländer vermeiden.

China arbeite weiter konstruktiv und gemeinsam mit allen Partnern an einer fairen und vernünftigen Weltordnung voller „Win-Win“ Situationen.

Zusammengefasst: China bekennt sich zu Multilateralismus, dem Pariser Klimaabkommen und der UN- Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Es formuliert auch den Anspruch, eine Führungsrolle bei der Entwicklung von langfristigen Strategien zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit einnehmen zu wollen.

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