{"id":5684,"date":"2023-05-27T23:40:59","date_gmt":"2023-05-27T21:40:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/?p=5684"},"modified":"2025-05-01T14:36:43","modified_gmt":"2025-05-01T12:36:43","slug":"beziehungen-china-und-tuerkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/beziehungen-china-und-tuerkei\/","title":{"rendered":"Beziehungen China und T\u00fcrkei (#105)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ich denke, der Westen entfremdet sich gerade vom Rest der Welt, er verliert die Kontrolle. In vielen Fragen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Erdo\u011fans au\u00dfenpolitischer Berater, Ibrahim Kal\u0131n, ZEIT, Mai 2023<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"p1\" style=\"text-align: right;\"><span class=\"s1\">(aktualisiert am 29.05.2023)<\/span><\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: left;\"><span class=\"s1\">Im Sinoskop: Die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und China<\/span><\/h2>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Reise aus der Mongolei zur\u00fcck nach Europa f\u00fchrt entweder nach Frankfurt am Main oder \u00fcber Istanbul. Der Autor entschied sich f\u00fcr letzteres und verbrachte ein paar Tage in der Millionenstadt am Bosporus, wo sich Europa und Asien treffen. In der T\u00fcrkei mit ihren rund 85 Millionen Einwohnern entscheidet sich dieser Tage der zuk\u00fcnftige Kurs des Landes. Amtsinhaber <span class=\"js-about-item-abstr\">Recep Tayyip Erdo\u011fan <\/span>ist seit 20 Jahren an der Macht und will es auch weiterhin bleiben. Herausforderer <span class=\"js-about-item-abstr\">Kemal K\u0131l\u0131\u00e7daro\u011flu <\/span> will diesen nach der Stichwahl am 28. Mai abl\u00f6sen.<\/span><\/p>\n<h2 class=\"p1\"><span class=\"s1\">China und die T\u00fcrkei &#8211;\u00a0<\/span><span class=\"s1\">Eindr\u00fccke aus Istanbul<\/span><\/h2>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">In den alten Stadtteilen <span class=\"js-about-item-abstr\">Beyo\u011flu<\/span> und Galata, rund um den Taksim-Platz und entlang der Einkaufsmeile <span class=\"js-about-item-abstr\">\u0130stiklal Caddesi<\/span> tummeln sich in diesem Fr\u00fchling wieder Touristen aus aller Welt. Neben Arabisch h\u00f6rt man vor allem sehr viel Russisch und auch immer wieder Chinesisch. Die begehrten Touristen aus China sind nach gut drei Jahren Zwangspause wieder unterwegs und Istanbul ein beliebtes Reiseziel. Rund eine halbe Million Besucher aus der Volksrepublik machten 2019 laut des Ministeriums f\u00fcr Kultur und Tourismus Urlaub in der T\u00fcrkei.[1]<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3>Keine China-Town in Turkyie<\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Apropos Corona. Das \u00e4rmliche Viertel Dolapdere unweit des Taksim-Platzes wurde vor einigen Jahren als m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige China-Town Istanbuls gehandelt. Der Ausbruch der Pandemie hatte diese Entwicklung allerdings unterbrochen. Neben dem Tourismus sollen jetzt auch die Immobilienk\u00e4ufe durch zahlungskr\u00e4ftige Chinesen wieder ansteigen. Bei einem Spaziergang durch die Gegend sieht man ein paar Hotels und Restaurants mit chinesischen Namen. Das \u201eBeijing\u201c Hotel oder das \u201eOnly Sushi Chinese\u201c Restaurant stehen bereits und erwarten G\u00e4ste. Alles kein Vergleich zu den chinesischen Vierteln in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten wie Madrid, Paris oder London, wo sich Migranten aus China bereits vor Jahrzehnten ansiedelten und teilweise ganze Stra\u00dfenz\u00fcge aufkauften und diese seitdem pr\u00e4gen. Auch im Nachbarland Griechenland ist die chinesische Pr\u00e4senz st\u00e4rker, was zu einem gro\u00dfen Teil an der Eigent\u00fcmerschaft von COSCO am Hafen in Pir\u00e4us bei Athen liegt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Zahl der in der T\u00fcrkei lebenden Chinesen ist mit rund 19.000 Menschen demnach entsprechend \u00fcberschaubar und im Vergleich zu den etwa 50.000 Uiguren gering.[2] Mehr zu den Uiguren in der T\u00fcrkei sp\u00e4ter.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">R\u00fcckblick Sommer 2022: \u00dcberraschend war der Anblick einer rotfarbigen Stra\u00dfenbahn, die das 25. Jubil\u00e4um der R\u00fcckgabe Hongkongs an das Festland feiernd durch die Stadt fuhr und den Slogan \u201eA New Era \u2013 Stability. Prosperity. Opportunity\u201c propagierte. W\u00e4hrend diese Art der Parteiwerbung in Br\u00fcssel und am Frankfurter Flughafen nach Protesten aus dem Verkehr gezogen wurden, st\u00f6rte man sich in Istanbul weniger daran. [3]<\/span><\/p>\n<h3 class=\"p1\"><span class=\"s1\">Bilaterale Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und China<\/span><\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Urspr\u00fcnge der T\u00fcrken liegen im Gebiet der heutigen Mongolei. Am Fluss Orchon, zwischen Baikalsee und W\u00fcste Gobi herrschten in der vorislamischen Periode (etwa Mitte des 5. Jhdts.) die \u201eOrchon T\u00fcrken\u201c. Grabdenkm\u00e4ler in der Form von Steinstelen z\u00e4hlen zu den \u00e4ltesten erhaltenen Belegen aus dieser Zeit der t\u00fcrkischen Kaganate. Schon zur Tang Dynastie (ca. 600 bis 900) pflegten die altt\u00fcrkischen Nomadenst\u00e4mme (und die Uiguren) rege Beziehungen zu den Chinesen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"s1\">Historisch waren die Beziehungen zwischen China und den Turkv\u00f6lkern dabei selten von Harmonie gepr\u00e4gt. Die Gro\u00dfe Mauer trennte, die Seidenstra\u00dfe verband. In den Augen des kaiserlichen China handelte es sich letztlich um kulturell unterlege \u201eBarbaren\u201c, wodurch sich bis heute vorhandene Vorurteile der T\u00fcrken gegen\u00fcber China teilweise begr\u00fcnden lassen.<\/span><\/p>\n<h3>T\u00fcrkei und China &#8211; seit 2010 strategische Partner<\/h3>\n<p><span class=\"s1\">Zur Zeit des Kalten Krieges (und w\u00e4hrend des Koreakrieges Anfang der 1950er Jahre) geh\u00f6rten die beiden L\u00e4ndern unterschiedlichen ideologischen Lagern an. Die T\u00fcrkei und die Volksrepublik China nahmen 1971 diplomatische Beziehungen auf. 2010 wurden die bilateralen Beziehungen zu einer Strategischen Partnerschaft aufgewertet.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">In der Welt des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts bekommt das Verh\u00e4ltnis zwischen China und der T\u00fcrkei eine neue Bedeutung und gewinnt an Gewicht. (Geo)politisch und wirtschaftlich ist die T\u00fcrkei f\u00fcr China von Interesse. Die T\u00fcrkei wiederum m\u00f6chte ihren Einfluss als ambitionierte Regionalmacht geltend machen. Seit einigen Jahren ist China bestrebt, den eigenen Einfluss im Land auszuweiten und die Wahrnehmung innerhalb der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung zu verbessern. <\/span><span class=\"s1\">Dies versucht China laut einer Studie mittels verschiedener Medienstrategien. Die Ausgangslage f\u00fcr chinesische Propaganda in der T\u00fcrkei ist allerdings nicht die beste: historisch begr\u00fcndete Vorbehalte, wenige pro-chinesische Stimmen in der t\u00fcrkischen Gesellschaft und Politik, eine kleine chinesische Gemeinschaft. Allerdings ver\u00f6ffentlichen (staatsnahe) t\u00fcrkische Medien inzwischen h\u00e4ufiger von Chinas Staatsmedien zur Verf\u00fcgung gestellte Beitr\u00e4ge und chinesische Diplomaten erhalten die M\u00f6glichkeit zu Fernsehauftritten. [4]<\/span> <span class=\"s1\">Ziel: \u201eTo tell China\u2019s story well\u201c &#8211; die Errungenschaften der KP zu preisen. <\/span><span class=\"s1\">Ein weiteres bekanntes und umstrittenes Mittel chinesischer \u201esoft power\u201c sind die Konfuzius-Institute, von denen es in der T\u00fcrkei f\u00fcnf gibt. <\/span><\/p>\n<h3>Handel ohne Anspruch auf Wandel<\/h3>\n<p>Die bilateralen Handelsbeziehungen sind seit Anfang der 2000er Jahre von rund einer Milliarde auf 32 Milliarden US-Dollar angestiegen (2021). China als Einzelstaat ist der gr\u00f6\u00dfte Handelspartner der T\u00fcrkei (gefolgt von Russland und Deutschland), wobei der bilaterale Handel von einem gro\u00dfen Ungleichgewicht gepr\u00e4gt ist. Der Wert der chinesischen Importe ist etwa neun Mal h\u00f6her als jener der t\u00fcrkischen Exporte. [5]<\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">F\u00fcr die Regierung <span class=\"js-about-item-abstr\">Erdo\u011fan<\/span> ist China ein begehrter Kapitalgeber und Investor f\u00fcr Infrastrukturprojekte. Dazu z\u00e4hlt unter anderem das umstrittene Kanalprojekt in Istanbul. Der gesch\u00e4tzt etwa 15 Milliarden US Dollar teure und 45 Kilometer lange Kanal soll Istanbul mit dem Schwarzen Meer verbinden und ist ein Prestigeprojekt des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten. Im Rahmen der Belt-and-Road Initiative (BRI) ist die Volksrepublik als Geldgeber im Gespr\u00e4ch.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Weitere chinesische Investitionen am Bosporus<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0im Bereich Infrastruktur: Ein\u00a0<\/span><\/span><span class=\"s1\">Hafenterminal ist seit 2015 im Besitz eines chinesischen Konsortiums. [6] Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen chinesische Investoren auch Interesse an einer Mehrheitsbeteiligung an einer der drei Bosporusbr\u00fccken haben.<\/span><\/p>\n<p>Die folgende Grafik der China-Denkfabrik Merics zeigt weitere Projekte mit chinesischer Beteiligung in der T\u00fcrkei:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-5749 size-large\" src=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-697x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"697\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-697x1024.jpeg 697w, https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-204x300.jpeg 204w, https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-768x1128.jpeg 768w, https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-1045x1536.jpeg 1045w, https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-1394x2048.jpeg 1394w, https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-1320x1939.jpeg 1320w, https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/0A6A07CE-C6BF-4FE3-8E2E-C699AB6D7C51-scaled.jpeg 1742w\" sizes=\"auto, (max-width: 697px) 100vw, 697px\" \/><\/p>\n<p>(Quelle: https:\/\/merics.org\/en\/turkey-china-relations-ankara-must-balance-complications-many-fronts)<\/p>\n<h3>Huawei baut das 5G-Netz in der T\u00fcrkei<\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Auch im Bereich Telekommunikation sind chinesische Firmen pr\u00e4sent, Huawei baut das 5G-Netz in der T\u00fcrkei auf. Bereits im Sommer 2022 startete am neuen International Airport in Istanbul das erste 5G-Netz des Landes &#8211; und als erster 5G-Flughafen Europas \u00fcberhaupt.<\/span><\/p>\n<p>Anders als in der Bev\u00f6lkerung hat die t\u00fcrkische Wirtschaft weniger Vorbehalte und begr\u00fc\u00dft den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen, wie diese Gespr\u00e4chsrunde aus dem Jahr 2019 zeigt.<\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper fourthree\" style=\"width:420px;max-width:100%;margin:5px auto;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_zC8pIy0w1BU\"><div id=\"lyte_zC8pIy0w1BU\" data-src=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FzC8pIy0w1BU%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/zC8pIy0w1BU\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FzC8pIy0w1BU%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Vorschaubild\" width=\"420\" height=\"295\" \/><\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:420px;margin:5px auto;\"> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/zC8pIy0w1BU\" target=\"_blank\">Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a>.<\/div><\/p>\n<h3 class=\"p1\"><span class=\"s1\">360 Grad Au\u00dfenpolitik der T\u00fcrkei<\/span><\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die T\u00fcrkei will sich durch die strategische Lage zwischen West und Ost als Regionalmacht etablieren. Wie in vielen L\u00e4ndern ist China hier auch in der T\u00fcrkei ein willkommener Gegenpol zu den USA. Antiamerikanismus spielt in der T\u00fcrkei und in den t\u00fcrkisch-chinesischen Beziehungen eine Rolle. Seit 2014 war der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident f\u00fcnf Mal zu Besuch in Peking, was die erw\u00fcnschte Vertiefung der Beziehungen verdeutlicht.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Herr Erdo\u011fans au\u00dfenpolitischer Berater, Ibrahim Kal\u0131n, betont die au\u00dfenpolitische Unabh\u00e4ngigkeit seines Landes. Aktuell sehe er eine Entfremdung des Westens \u201evom Rest der Welt\u201c, sowie einen Kontrollverlust in vielen Fragen. Er kritisiert einen <\/span><span class=\"s1\">\u201eMangel an strategischem Denken und aggressives Verhalten gegen\u00fcber China.\u201c Wie sich Europa im 21. Jahrhundert als globaler Akteur positionieren wolle, ist f\u00fcr ihn eine offene Frage. [7]<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3>Interessen der T\u00fcrkei und Chinas reichen vom Balkan bis nach Afghanistan<\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Politisch, wirtschaftlich, milit\u00e4risch und kulturell hat die T\u00fcrkei unter Pr\u00e4sident Erdo\u011fan ein gewi\u00dfes Sendungsbewusstsein, welches sowohl in den Balkan als auch bis weit nach Zentralasien reicht.\u00a0<\/span><span class=\"s1\">Gut ein Jahrhundert nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches sieht sich die T\u00fcrkei auf dem Balkan weiterhin als Schutzmacht der dort lebenden Muslime. Unter Pr\u00e4sident Erdogan, dem von Kritikern Gro\u00dfmachtstr\u00e4ume von einer Wiederbelebung des Osmanischen Reichs nachgesagt werden, vielleicht mehr als zuvor. Gleichzeitig steigert\u00a0<\/span><span class=\"s1\">China den Einfluss in der Balkanregion durch Infrastrukturprojekte. Der geplante Bau der Schnellzugstrecke von Belgrad nach Budapest z\u00e4hlt zu den bekanntesten BRI-Projekten.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Afghanistan ist ein weiteres Beispiel. China und die T\u00fcrkei sind gleicherma\u00dfen sehr interessiert am Kontakt mit den Taliban und bem\u00fchen sich intensiv um gute Beziehungen. Bis Mitte des Jahres 2022 gab es 71 bekannte Treffen chinesischer Vertreter mit den Taliban seit deren Macht\u00fcbernahme im Sommer 2021. Seitens der T\u00fcrkei sollen es \u00fcber 50 Treffen gewesen sein. [8]<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span class=\"s1\">In den Staaten des Balkans wie in Afghanistan \u00fcberschneiden bzw. \u00fcberkreuzen sich chinesisch-t\u00fcrkische Interessen. Die Teilnahme des NATO-Mitglieds T\u00fcrkei an den Treffen der Shanghai Corporation Organisation (SCO), zuletzt 2022 in Samarkand, Usbekistan, ist weiterer Ausdruck der neuen Bedeutung des Landes bei der geopolitischen Neuausrichtung im 21. Jahrhundert.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Dann gibt es noch den \u201eMittleren Korridor\u201c, eine Transportroute von Ost nach West, die sich teilweise mit Chinas \u201eNeuer Seidenstra\u00dfe\u201c trifft. Der Warentransport entlang des mittleren Korridors hat als Alternativroute zu den Verbindungen durch Russland seit der russischen Invasion der Ukraine zugenommen. Die t\u00fcrkische Staatsbahn hat 2022 in Erzurum ganz im Osten des Landes ein neues Containerterminal er\u00f6ffnet und hofft langfristig auf mehr G\u00fcterverkehr. Allerdings bleiben zahlreiche Probleme bestehen, von h\u00f6heren Kosten \u00fcber unterschiedliche Spurbreiten hin zu Korruption. [9] Hinzuzuf\u00fcgen sei an dieser Stelle noch die geplante Transadriatische Gaspipeline von Aserbaidschan \u00fcber die T\u00fcrkei in die Balkanregion. Ein weiteres Gro\u00dfprojekt, an dem die T\u00fcrkei beteiligt ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<h3>China und die Uiguren in der T\u00fcrkei<\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">2009 bezeichnete Herr\u00a0Erdo\u011fan den Umgang der chinesischen Regierung mit dem Turkvolk in Xinjiang \u201efast als Genozid\u201c und l\u00f6ste ein diplomatische Krise zwischen Ankara und Peking aus.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend des kurzen Aufenthalts in Istanbul fuhr der Autor mit der Stra\u00dfenbahn in eines der Stadtviertel mit uigurischer Bev\u00f6lkerung. Vor Ort ein Lebensmittelgesch\u00e4ft mit dem Namen \u201eUigur Market\u201c und einige Restaurants. Leider war es nicht die beste Zeit f\u00fcr einen Besuch, denn w\u00e4hrend des Ramadan war es tags\u00fcber ruhig und die Restaurants \u00f6ffneten erst zum Sonnenuntergang.<\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Sucht man auf Google Maps nach dem chinesischen Konsulat in Istanbul, bekommt man Bilder von Uiguren zu sehen, die vor dem Geb\u00e4ude am Stadtrand protestieren.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"s1\">Die Kritik des t\u00fcrkischen Staatsoberhaupts an der Uiguren-Politik Chinas verstummte seit dem gescheiterten Putschversuch 2016 in der T\u00fcrkei nahezu v\u00f6llig. Seither n\u00e4herte sich die t\u00fcrkische Regierung in dessen Folge politisch und wirtschaftlich den autorit\u00e4ren Staaten Russland und China an.<\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Coronavirus-Pandemie war die T\u00fcrkei eines der L\u00e4nder, welches Ende 2020 millionenfach den chinesischen Impfstoff Sinovac kaufte. Zwei Tage nach dem 50-Millionen Impfdosen-Handel verk\u00fcndete Peking die Ratifikation eines 2017 beschlossenen Auslieferungsvertrags mit der T\u00fcrkei. Damit stieg die Furcht der in der T\u00fcrkei lebenden Uiguren. [10]<\/p>\n<p>Im t\u00fcrkischen Staatssender TRTWorld berichtet der im Londoner Exil lebende Arzt Enver Tohti von seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen in Xinijang:<\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper fourthree\" style=\"width:420px;max-width:100%;margin:5px auto;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_Oam5kAU1kc4\"><div id=\"lyte_Oam5kAU1kc4\" data-src=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FOam5kAU1kc4%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/Oam5kAU1kc4\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FOam5kAU1kc4%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Vorschaubild\" width=\"420\" height=\"295\" \/><\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:420px;margin:5px auto;\"> <a href=\"https:\/\/youtu.be\/Oam5kAU1kc4\" target=\"_blank\">Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a>.<\/div><\/p>\n<h3>Die T\u00fcrkei und China &#8211; Ausblick<\/h3>\n<p>Die t\u00fcrkisch Republik steht 100 Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung vor einer Entscheidungswahl. Wird der jetzige Pr\u00e4sident f\u00fcr eine weitere Amtszeit wiedergew\u00e4hlt werden, dann sind die Bef\u00fcrchtungen gro\u00df, dass das Land sich noch weiter weg von einem demokratisch-parlamentarischen System hin zu einem zunehmend nationalistisch-autorit\u00e4ren Staat entwickeln wird. Das k\u00f6nnte auch eine weitere Entfremdung zu den westlichen Staaten und vor allem zur EU bedeuten, dem gr\u00f6\u00dften Handelspartner des Landes, sowie eine gr\u00f6\u00dfere Ann\u00e4herung an Russland und China.<\/p>\n<p>Die Opposition verspricht nach einem Wahlsieg eine R\u00fcckkehr zur Demokratie und eine Verbesserung der Beziehungen zur EU. An guten wirtschaftlichen Beziehungen &#8211; sowohl nach West wie Ost &#8211; d\u00fcrfte jeder Regierung in Ankara gelegen sein. Das Land steckt seit Jahren in einer Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>Sicher ist: Die T\u00fcrkei wird auch zuk\u00fcnftig ein begehrter Partner bleiben &#8211; politisch, wirtschaftlich und milit\u00e4risch.<\/p>\n<h3>Nachtrag: Die T\u00fcrkei nach der Wahl<\/h3>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Noch waren am Wahlabend nicht alle Stimmen ausgez\u00e4hlt, schon kamen die ersten Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum Wahlsieg\u00a0Erdo\u011fans.\u00a0<\/span>Der Ministerpr\u00e4sident Ungarns, der Emir von Katar und die afghanischen Taliban geh\u00f6rten zu den ersten Gratulanten, berichtet Spiegel Online. Dem vorl\u00e4ufigen Endergebnis zufolge bekam der alte und neue Pr\u00e4sident eine Mehrheit der Stimmen von 52,1%. <span class=\"s1\">Erdo\u011fan und seine Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) wird das Land weitere f\u00fcnf Jahre regieren.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"6aSkEwe0tI\"><p><a href=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/xiplomatie-xinjiang-und-die-china-cables\/\">#51 Xi, Xiplomatie, Xinjiang und die China Cables<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;#51 Xi, Xiplomatie, Xinjiang und die China Cables&#8220; &#8212; Sinoskop\" src=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/xiplomatie-xinjiang-und-die-china-cables\/embed\/#?secret=IRj9T47Sku#?secret=6aSkEwe0tI\" data-secret=\"6aSkEwe0tI\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/www.sinoskop.de\/blog\/xiplomatie-xinjiang-und-die-china-cables\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">#51 Xi, Xiplomatie, Xinjiang und die China Cables<\/a><\/h3>\n<h3>Quellen:<\/h3>\n<p><span class=\"s1\">[1] https:\/\/www.hurriyetdailynews.com\/turkiye-seeks-to-lure-chinese-tourists-homebuyers-180087.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"s1\">[2] Turkstat, https:\/\/data.tuik.gov.tr\/Bulten\/Index?p=37210&amp;dil=2.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"s1\">[3] https:\/\/www.fr.de\/frankfurt\/aerger-propaganda-vorwuerfe-flughafen-frankfurt-stoppt-hongkong-werbekampagne-china-fraport-91710758.html.<\/span><\/p>\n<p>[4] https:\/\/carnegieendowment.org\/2022\/11\/09\/china-is-playing-by-turkey-s-media-rules-pub-88368.<\/p>\n<p>[5] https:\/\/merics.org\/en\/turkey-china-relations-ankara-must-balance-complications-many-fronts.<\/p>\n<p>[6] <span class=\"s1\">https:\/\/asia.nikkei.com\/Politics\/International-relations\/Eyeing-Chinese-investment-Turkey-kicks-off-Canal-Istanbul-project.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"s1\">[7] https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-05\/recep-tayyip-erdogan-berater-tuerkei-ibrahim-kalin<\/span>.<\/p>\n<p>[8] https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus240591315\/Machtvakuum-Wie-China-in-Afghanistan-seine-Macht-ausbauen-will.html.<\/p>\n<p>[9] https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wie-die-tuerkei-im-china-europa-handel-als-neue-drehscheibe-punkten-will-18497165.html.<\/p>\n<p>[10] https:\/\/www.nzz.ch\/international\/corona-in-der-tuerkei-was-ist-der-preis-fuer-chinas-impfstoff-ld.1596616.<\/p>\n<p>Beitragsbild:<\/p>\n<p>\u7dad\u57fa\u5c0f\u9738\u738b, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\">CC BY-SA 4.0<\/a>,\u00a0https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Turkey_-_China_flags_in_front_of_Tian%27anmen.jpg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ich denke, der Westen entfremdet sich gerade vom Rest der Welt, er verliert die Kontrolle. 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