Nordkorea, Chinas Nachbar in Ostasien (#149)

Nordkorea, Chinas Nachbar in Ostasien.
Die Demilitarisierte Zone (DMZ) trennt seit 1953 Nord- und Südkorea.

With his strong revolutionary principle and extraordinary strategy and through his seasoned external activities Kim Jong Un has remarkably raised the dignity and prestige of the DPRK, created an international environment favorable for the Korean revolution and made a great contribution to the common cause of mankind for independence and justice.

Staatliche Nachrichtenagentur Nordkorea, Februar 2026.

Nordkorea, Chinas Nachbar in Ostasien

Nordkorea und China sind direkte Nachbarn in Ostasien. Über Jahrtausende hinweg sind Chinesen und Koreaner kulturell, wirtschaftlich und politisch sowohl miteinander verbunden, als auch voneinander getrennt.

Heute grenzen die nordostchinesischen Provinzen Liaoning und Jilin an die Demokratische Volksrepublik Nordkorea (DVRK). Rund 26 Millionen Menschen leben auf „ihrer“ Seite der koreanischen Halbinsel; eine Fläche etwa so groß wie jene der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Etwa doppelt so viele Koreanerinnen und Koreaner leben in der Republik Korea.

Die Teilung Koreas begann im August 1945 mit der Kapitulation Japans und dem Einmarsch sowjetischer Truppen in den Norden. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-1953) trennt eine rund 240 Km lange Grenze entlang des 38. Breitengrads den Norden vom Süden.

Randnotiz: Ein Besuch entlang der Entmilitarisierten Zone, (DMZ, Demilitarised Zone) macht eines deutlich: Auf der koreanischen Halbinsel, nördlich und südlich des 38. Breitengrads, sind die Kriegswunden noch nicht verheilt.

DMZ, Korea.
„Wenn man am Imjin-Fluss in der DMZ zwischen Nord- und Südkorea steht und die Natur im Spätherbst bestaunt, vergißt man für einen Moment fast, dass der Kalte Krieg hier nie zu Ende gegangen ist.“ Sinoskop, eigene Aufnahme.

Im Sinoskop: Die Demokratische Volksrepublik Nordkorea  조선민주주의인민공화국 (Chosŏnminjujuŭi Inmin’gonghwaguk).

Seit der Gründung der DVRK (1948) und der Volksrepublik China (1949) sind China und Nordkorea bis heute „sozialistische Bruderstaaten“. Von den Staatsgründern Kim Il-sung und Mao Zedong bis in unsere Gegenwart zu Kim Jong-un und Xi Jinping war und ist das Verhältnis von Wechselhaftigkeit geprägt.

2018 bezeichnete Nordkorea den vermeintlichen Bruder noch als „tausendjährigen Feind“. Von chinesischer Seite und in der neuen Ära der Xiplomatie lautet der Status derzeit:

China und Nordkorea sind traditionelle Freunde und Nachbarn, die durch Berge und Flüsse miteinander verbunden sind.

Die Familiendiktatur Kim in Nordkorea: Armut, Atomwaffen und Propaganda

Kim Il-sung, Kim Jong-il, Kim Jong-un. Seit gut acht Jahrzehnten hält sich der Kim-Clan an der Macht. 2011 trat Kim Jong-un das Diktatoren-Erbe in dritter Generation an und herrscht seither mit eiserner Hand über sein Volk. Unter dem „Obersten Führer“ und „großartigsten Mensch der Welt“ gehört Nordkorea trotz aller Propaganda weiter zu den unterentwickeltesten und am meisten isolierten Ländern der Erde. Neben Armut und Menschenrechtsverletzungen sorgt das Atomwaffenprogramm das Landes immer wieder für Schlagzeilen.

Der erste Atomwaffentest fand vor inzwischen zwanzig Jahren statt. Zwischen 2006 und 2017 sollen es insgesamt sechs gewesen sein. Seitdem sind Diplomatie, Druck und Sanktionen der internationalen Gemeinschaft auf das nordkoreanische Regime erfolglos geblieben. Unbeeindruckt rüstet die Führung in Pjöngjang militärisch auf und feuert Raketen und Satelliten ab.

Daran konnte auch der amerikanische Präsident Trump nach drei persönlichen Treffen mit Machthaber Kim Jong-un nichts ändern (2018 in Singapur, 2019 in Vietnam und Korea). Mit seiner Mischung aus Beleidigungen („Little Rocket Man“) und Schmeicheleien („great friendship“) scheiterte Herr Trump während seiner ersten Amtszeit mit dem Versuch, den nordkoreanischen Machthaber zu Zugeständnissen zu bewegen.

Parallel zu Trumps Avancen – und mindestens partiell dadurch bedingt – kam wieder Bewegung in die zu jener Zeit etwas eingerosteten Beziehungen zwischen China und Nordkorea. Aus dem Sinoskop-Archiv, Januar 2019:

Kim Jong Un feiert seinen 35. Geburtstag in Peking

Zum vierten Mal innerhalb eines Jahres rollte der legendäre grüne Zug von Pjöngjang nach Peking. Zu Ehren des Gastes aus der benachbarten Demokratischen Volksrepublik Korea wurde ein Staatsbankett abgehalten und beide Seiten beteuerten die blühenden gegenseitigen Beziehungen.

Welche Absprachen die beiden Staatsmänner getroffen haben, weiß man nicht. Neben der wirtschaftlichen Öffnung dürfte das bevorstehende Treffen zwischen Kim und Trump diskutiert worden sein. Nach Singapur könnte das zweite Treffen in Vietnam stattfinden und soll zu Fortschritten bei der nuklearen Abrüstung und einer Lockerung der verhängten Sanktionen gegen Nordkorea führen.

Von den medienwirksamen Treffen zwischen Trump und Kim ist wenig geblieben. Weder kam es zu Fortschritten bei der nuklearen Abrüstung Nordkoreas, noch änderte sich etwas an den verhängten Sanktionen.

Stattdessen folgten die langen Jahre der Corona-Pandemie.

Nordkorea im Dauer-Lockdown

Während dieses globalen Ausnahmezustands verließ Herr Trump (unfreiwillig) das Weiße Haus, während Kim Jong-un seinem Land den wohl längsten und striktesten Lockdown der Welt verordnete. Laut Staatspropaganda höchst erfolgreich, angeblich blieb Nordkorea zwei Jahre lang frei vom Virus. Dem siegreichen Volkskrieg gegen das Virus sollen letztlich nur ein paar Dutzend Menschenleben zum Opfer gefallen sein.

Aus dieser Isolation heraus machte der „Geliebte Führer“ mit weiteren Militärparaden und Raketentests auf sich aufmerksam. Aus dem Sinoskop-Archiv, Januar 2021:

Diesmal lohnt der Blick über die Staatsgrenzen der Volksrepublik China hinweg auf den kleinen Nachbarn und Bruderstaat Nordkorea. Ohne die Unterstützung durch den „großen Bruder“ würde die Demokratische Volksrepublik Nordkorea wohl längst der Vergangenheit angehören. In der Hauptstadt Pjöngjang fand gerade die zweite gewaltige Militärparade innerhalb weniger Monate statt. Der „Oberste Führer“ / „Little Rocket Man“ (D. Trump) Kim Jong-un präsentierte dem an chronischer Unterernährung leidenden und größtenteils in Armut lebenden Volk die neuesten Schmuckstücke seines ballistischen Raketenarsenals.

Nordkorea Militärparade 2021(Video von Spiegel-Online)

Basierend auf Gesprächen mit Geflüchteten Nordkoreanern gehen Menschenrechtsorganisationen in einer aktuellen Studie von einer massiven Zunahme von Todesurteilen und Hinrichtungen zwischen 2020 bis 2025 aus.

2025 in China: Kim Jong-un bringt Nordkorea zurück auf die politische Weltbühne

Anfang September 2025 stand Kim Jong-un plötzlich wieder im Rampenlicht. Diesmal auf der großen Bühne der Weltpolitik. China gedachte dem Ende des 2. Weltkriegs in Ostasien, Nordkorea und weitere ehemalige sozialistische Bruderstaaten fanden sich in Peking ein.  Die Bilder von Kim Jong-un, in vorderster Reihe und Seite an Seite mit Xi Jinping und Vladimir Putin, gingen um die Welt.

China feiert das Ende des zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren (#141)

China feiert das Ende des zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren (#141)

Fortsetzung folgt.

Mehr zum Thema / Quellen

„Im Strahl der Sonne“, Dokumentation von 2014.

Nordkorea.

Zweiteilige Dokumentation über den Herrscher-Klan der Familie Kim aus Nordkorea.

Traveling through North Korea | DW Documentary

The real North Korea: Life inside the Hermit Kingdom the world rarely sees | 60 Minutes Australia

 

Dividion of Korea, https://www.britannica.com/place/Korea/Division-of-Korea.

North Korean media glorifies leader Kim as ‚greatest man in the world‘ after re-election, https://koreajoongangdaily.joins.com/news/2026-02-25/national/northKorea/North-Korean-media-glorifies-leader-Kim-as-greatest-man-in-the-world-after-reelection/2531149.

Number of executions in North Korea rose dramatically during Covid – report, https://www.theguardian.com/world/2026/apr/27/executions-death-sentences-north-korea-rose-during-covid-report.

While North Korea denied Covid-19 cases, the virus was widespread and barely treated, report says, https://edition.cnn.com/2025/06/18/asia/north-korea-covid-report-intl-hnk.


 

Sinoskop abonnieren, keinen neuen Beitrag verpassen & exklusiv „Die Woche im Sinoskop“ erhalten!
Du erhältst etwa 1-2 Emails pro Woche. Die Abmeldung ist jederzeit möglich.
Die gespeicherte E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergereicht, es werden keine weiteren Daten erhoben oder gespeichert. Weitere Informationen zum Datenschutz findest Du in der Datenschutzerklärung.

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*