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Umwelt

#75 UN-Klimagipfel „Climate Ambition Summit 2020“ & China

At the Climate Ambition Summit 2020, countries will set out new and ambitious commitments under the three pillars of the Paris Agreement: mitigation, adaptation and finance commitments.

www.climateambitionsummit2020.org

Im Dezember 2015 unterzeichnete China als einer von 195 Staaten das Klimaabkommen von Paris und verpflichtete sich, den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen.

1,5°C mit Abschwächung, Anpassung & finanzieller Unterstützung

Noch in diesem Jahrhundert wollen die Unterzeichnerstaaten Klimaneutralität durch eine massive Emissionsreduktion erreichen. Außerdem soll die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel erhöht und negative Folgen des Klimawandels sollen verringert werden. Mit Maßnahmen zur Abschwächung, Anpassung und finanzieller Unterstützung will die Weltgemeinschaft die Erderwärmung auf unter 2°C, noch besser auf 1,5°C, begrenzen.

Alle fünf Jahre wollen die Staaten zusammenkommen, um Transparenz zu leben, Rechenschaft abzulegen und Bilanz zu ziehen. Im Corona-Dezember 2020 war es soweit – auf dem virtuellen UN-Klimagipfel „Climate Ambition Summit 2020“ trafen sich Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um ihren Verpflichtungen gerecht zu werden und neue Ziele zu verkünden.

Allerdings fand der Gipfel ohne die USA statt – mit 5285 metrischen Tonnen CO²-Ausstoß 2019 weltweit die Nr.2 [1]. Die Vereinigten Staaten sind im November 2020 offiziell aus dem internationalen Klimaschutz-Abkommen von Paris ausgetreten. Der noch amtierende US-Präsident (“der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen”) glänzte wieder einmal mit Abwesenheit und hinterlässt eine Lücke, die China gerne zu füllen bereit ist.


 

Siehe auch:

#60 China-Politik der USA unter Donald Trump (I)


Mit dem nächsten US-Präsidenten könnte sich dies wieder ändern. Dem Guardian zufolge kündigte Joe Biden an, in den ersten 100 Tagen nach seiner Amtseinführung einen Klimagipfel mit den großen Volkswirtschaften abhalten zu wollen. Gleich am Tag seines Amtsantritts will er wieder dem Pariser Abkommen beitreten.

Xi Jinping: „Die Reihen schließen für Kooperation und Win-Win-Situationen“

Als einer der ersten Staats- und Regierungschefs kam Xi Jinping zu Wort. In seiner Rede verkündete er die ambitionierten Klimaziele seines Landes und hob drei Punkte hervor.

Erstens müsse man die „Reihen schließen“ und Fortschritte in der globalen Klimapolitik erzielen. Wesentliche Bestandteile dieser globalen Klimapolitik (und des Xi Jinping-Gedankenguts) seien Kooperation und Win-Win Situationen. Damit alle Länder von solchen Win-Win Situationen profitieren können, müsse man den Multilateralismus hochhalten.

Zweiter Baustein dieser globalen Klimapolitik sei eine „geteilte“, aber „differenzierte Verantwortung“. „Maximaler Klimaschutz“ müsse unter Berücksichtigung nationaler Gegebenheiten und Fähigkeiten erfolgen. Gleichzeitig müssten Industrieländer die Unterstützung für Entwicklungsländer bei Finanzierung, Technologie und Kapazitätsaufbau erhöhen.

Drittens müsse die Weltgemeinschaft die „Zuversicht stärken“ und einen neuen Ansatz zur Klimapolitik verfolgen, welcher die „grüne Erholung“ in den Vordergrund stellt. Herr Xis Vision ist eine „grüne Entwicklung“ mit emissionsarmer Lebens- und Produktionsweise.

Die drei Punkte legen nahe, wem bei der Gestaltung dieser neuen Klimaarchitektur eine Führungsrolle zukommen soll. Und Xi Jinping betont, dass China einen wichtigen Beitrag zur Verabschiedung des Pariser Abkommens geleistet und sich aktiv für dessen Umsetzung eingesetzt habe.

Herr Xi wiederholte seine Ankündigung vom September, den Scheitelpunkt der CO²-Emissionen vor bzw. bis 2030 zu erreichen und China vor bzw. bis 2060 CO²-neutral machen zu wollen.

Chinas Klimaziele bis 2030

Außerdem kündigte er weitere ambitionierte Ziele bis 2030 an:

  • Reduzierung der CO²-Emissionen um mehr als 65% gegenüber 2005.
  • Erhöhung des Anteils nicht-fossiler Brennstoffe am Primärenergieverbrauch auf etwa 25%.
  • Steigerung des Waldbestandes um 6 Milliarden Kubikmeter gegenüber 2005.
  • Erhöhung der installierten Gesamtkapazität an Wind- und Solarenergie auf über 1,2 Milliarden Kilowatt.

Und versprach:

China hält sich immer an seine Verpflichtungen. Geleitet von unserer neuen Entwicklungsphilosophie werden wir eine grünere wirtschaftliche und soziale Entwicklung in jeder Hinsicht fördern.

In dieser neuen Entwicklungsphilosophie, wie im Xi Jinping-Denken allgemein, schließen sich Gegensätze nicht aus.

-> 2019 war China mit 10175 metrischen Tonnen der weltweit größte CO²-Emittent [1].

-> Bis Mitte Juni 2020 wurden Bauprojekte mit mehr Kohlekraftwerkskapazität genehmigt als in den gesamten Jahren 2018 und 2019 zusammen.

A. Merkel: Deutschland ist sich seiner Verantwortung bewusst

Nach gut zwei Stunden erscheint auch Angela Merkel auf dem UN-„Climate Ambition Summit 2020“ und hält eine vertraut nüchtern-sachliche Rede.

Neben Kohle- und Atomausstieg, dem nationalen Emissionshandel für Verkehr und Wärme ab 2021, und dem Ausbau erneuerbarer Energien verspricht die Bundeskanzlerin weitere „ehrgeizige“ Ziele und „angemessene“ finanzielle Mittel.

Deutschland sei sich seiner Verantwortung bewusst und stellt daher knapp 500 Millionen Euro für den internationalen Klimaschutz zur Verfügung. Außerdem würden die zur Klimafinanzierung verwendbaren Finanzmittel im Bundeshaushalt ab 2020 auf vier Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt.

-> 2019 war Deutschland mit 702 metrischen Tonnen der siebtgrößte CO²-Emittent der Welt. [1]

Öko-Wunderland EU

Und dann waren da noch Charles Michel, Präsident des europäischen Rates, und Ursula von der Leyen mit ihrer fabelhaften Erzählung einer “Green Deal” 55%-Öko-EU, die ja “nur für 10% der globalen Emissionen verantwortlich” sei. Die EU-Kommissionspräsidentin lobte die Klimamaßnahmen der EU über den grünen Klee und lud alle Gleichgesinnten ein: “Let’s walk this road together!”. Nächster Zwischenstopp: Die UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow.

Treibhausgas-Reduktionsziele für 2030:

Überblick der aktuell angestrebten Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2030 (national festgelegter Klimaschutzbeitrag / Nationally Determined Contributions):

  • Vereinigtes Königreich 68% (gemessen am Ausstoß von 1990)
  • Volksrepublik China 65% (gemessen am Ausstoß von 2005)
  • EU 55% (gemessen am Ausstoß von 1990)
  • Kanada 32-40% (gemessen am Ausstoß von 2005)
  • Indien 33-35% (gemessen am Ausstoß von 2005)
  • Japan 26% ( gemessen am Ausstoß von 2013)
  • [USA bis 2025 zwischen 26-28% (gemessen am Ausstoß von 2005)]

Virtueller UN-Klimagipfel „Climate Ambition Summit 2020

Den virtuellen UN-Klimagipfel „Climate Ambition Summit 2020“ hier ansehen:


Siehe auch China & der UN-Klimagipfel in Polen:

Im Sinoskop: China & der UN-Klimagipfel in Polen


Quellen:

[1] Global Carbon Atlas, http://www.globalcarbonatlas.org/en/CO2-emissions.

Beitragsbild:

https://www.climateambitionsummit2020.org/index.php#ambition.

 

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