World Artificial Intelligence Conference 2026 in Shanghai, China (#152)

2026 World AI Conference in Shanghai, China
WAIC26 in Shanghai: Einlass nur mit App, QR-Code und Gesichtserkennung. (Screenshot: Shanghai.gov)

Nach Ansicht Chinas sollten alle Länder einen menschenzentrierten Ansatz verfolgen und KI zum Positiven und zum Guten entwickeln. Wir sollten dafür sorgen, dass KI ein wichtiger Motor für gemeinsamen Wohlstand und gemeinsame Sicherheit ist. Wir sollten zusammenarbeiten, um ein gerechtes und ausgewogenes System für eine globale KI-Governance aufzubauen.

Xi Jinping, World AI Conference, Shanghai, 17. Juli

World Artificial Intelligence Conference (WAIC) 2026 in Shanghai, China

Die World Artificial Intelligence Conference findet seit 2018 in Shanghai statt. Das Motto in diesem Jahr lautet „AI Partnership for a Brighter Future“.

Das offizielle Werbevideo der WAIC 2026 (17.07. – 20.07.):

Zu den Schwerpunkten der neunten WAIC gehören

  • verkörperte KI
  • Roboter
  • große KI-Recheneinheiten
  • KI in Smarten Brillen
  • selbstständige KI-Agenten
  • Hirn-Computer-Schnittstellen.

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KI: Treiber des Wohlstands oder der Ungleichheit?

Auf der WAIC werden Produkte und zahlreiche Weltpremieren von rund 1.100 ausstellenden Unternehmen zur Schau gestellt. Zudem sind hochrangige Vertreter aus der Politik und internationaler Organisationen vertreten. UN-Generalsekretär Antonio Guterres dankt Xi Jinping in seiner Rede für den „Geist der Partnerschaft“ und ist voll des Lobes für Chinas „essentielle Rolle“.

Technologie müsse dem Menschen dienen, nicht andersherum, fordert Herr Guterres, und warnt vor wachsender Ungleichheit durch KI.

Xi Jinping macht vier Vorschläge zu KI

Erstmals nahm Chinas Staats- und Regierungschef Xi Jinping persönlich an der KI-Konferenz teil. Die Bühne nutzte Herr Xi einmal mehr um, sein Land als verläßliche und verantwortungsvolle Großmacht in einer Welt der Unordnung zu präsentieren. Diesmal mit Blick auf die Möglichkeiten und Gefahren der digitalen Revolution.

Zu Beginn seiner Rede schlägt Herr Xi den historischen Bogen der KI-Entwicklung, welche demnach vor 70 Jahren in den USA begann und im Jahr 2026 an den Huangpu-Fluss geführt hat,

um darüber zu diskutieren, wie wir die KI weltweit zum Positiven, für das Gute und zum Wohle der Menschheit fördern können.

Was also einst im „Westen“ begann wird nun vom „Osten“ abgelöst und weitergeführt.

Dann stellt Herr Xi die großen Fragen der Gegenwart im Zusammenhang mit der digitalen Revolution:

Wie kann man mit denkenden Maschinen umgehen? Wie lässt sich Sicherheit gewährleisten, wenn Algorithmen Teil der Entscheidungsfindung sind? Wie lassen sich ethische Herausforderungen durch Technologien mittels adaptiver Governance bewältigen? Wie lässt sich KI für alle verwirklichen, wenn die Kluft immer größer wird?

Da diese essentiellen Fragen noch weitgehend unbeantwortet sind, werden Vorschläge zur deren Beantwortung direkt im Anschluss präsentiert. Herr Xi bietet der Weltgemeinschaft vier Vorschläge zum Umgang mit KI an:

  1. Den Grundsatz der Offenheit und der Win-Win-Situation und das vorantreiben innovationsgetriebener Entwicklung. Diese „seltene, historische Gelegenheit“ müsse genutzt werden, um „Open Source, Offenheit, Zusammenarbeit und den Austausch zu fördern.“
  2. Das Risikobewusstsein stärken und sicherstellen, dass KI „sicher und kontrollierbar ist“. KI müsse „ein vertrauenswürdiges Werkzeug für die Menschheit sein“. Durch Gesetze, Regulierung, technisches Monitoring, Frühwarn- und Notfallsysteme soll gewährleistet werden, dass KI „stets unter menschlicher Kontrolle steht.“

    In der Zwischenzeit sollten wir uns gemeinsam dagegen wehren, das Konzept der nationalen Sicherheit im Bereich der KI zu weit auszudehnen und die Sicherheit eines Landes über die anderer Länder zu stellen.

  3. Inklusion fördern und das gegenseitige Lernen zwischen den Zivilisationen vorantreiben.

    Wir müssen die Werte der KI an den gemeinsamen Werten der Menschheit ausrichten und KI-Technologien sinnvoll nutzen, um Verständnis, Toleranz, Austausch und das Miteinander aller Zivilisationen zu fördern. Wir sollten den Garten der Zivilisationen mit großer Sorgfalt pflegen, um sicherzustellen, dass die Schönheit jeder einzelnen Zivilisation gewürdigt und geteilt wird.

  4. Für Solidarität einsetzen und die globale Governance verbessern.

Wir sollten echten Multilateralismus praktizieren und die wichtige Rolle der Vereinten Nationen anerkennen.

Die Welt und KI nach chinesischen Regeln und Standards?

Während der amerikanische KI-Aktionsplan von 2025 den Ansatz der USA bereits im Titel angibt – „Winning the AI Race“ und „American Leadership“, setzt die Führung der Kommunistischen Partei auf „Partnerschaft für eine bessere Zukunft“. KI solle der Welt als öffentliches Gut dienen. China bringt laut Xi Jinping die nötige Expertise für die Umsetzung mit:

Mit einem tiefgreifenden Verständnis der Trends und der Logik der KI-Entwicklung arbeiten wir kontinuierlich daran, Gesetze, Vorschriften, Richtlinien, Mechanismen, Anwendungsnormen sowie ethische Grundsätze zu verbessern, um sicherzustellen, dass KI sicher, geschützt und kontrollierbar ist und dass dieses edle Ross der KI sowohl schnell als auch stabil galoppiert.

Konkret wird dieses „tiefgreifende Verständnis“ durch den massiven Einsatz von KI im Alltag und in Form von Chinas KI-Initiativen. Diese sollen nicht nur innerhalb der Volksrepublik Anwendung finden, sondern als Blaupause für die ganze Welt dienen. Mittlerweile gibt es drei chinesische Initiativen zur Regulierung von KI:

  • Global AI Governance Initiative (2023)
  • Global AI Initiative Action Plan (2025)
  • China’s AI+ International Cooperation Initiative (2025)

Für die Umsetzung und Anwendung dieser Initiativen wurde eigens eine Organisation mit Sitz in Shanghai gegründet.

Gründung der World Artificial Intelligence Cooperation Organization in China

Am Tag vor der Eröffnung der WAIC unterzeichneten Chinas oberster Diplomat Wang Yi und Vertreter aus 29 Ländern und internationaler Organisationen die Vereinbarung zur Gründung der World Artificial Intelligence Cooperation Organization (WAICO). Der KI-Klub der WAICO besteht aus:

China, Russland, Algerien, Weißrussland, Brasilien, Kambodscha, Kongo, Kuba, Äthiopien, Indonesien, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, Laos, Lesotho, Malaysia, Mosambik, Myanmar, Nicaragua, Oman, Pakistan, Senegal, Serbien, Südafrika, Tadschikistan, Usbekistan, Venezuela, Sambia und Kamerun.

Die 29 Mitgliedsstaaten dürften am meisten von Xi Jinpings Ankündigung profitieren, Entwicklungsländern in den nächsten fünf Jahren 5.000 Teilnahmeplätze an Schulungs- und Seminarprogrammen im Bereich KI zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sind internationale Kooperationszentren für KI-Anwendungen geplant und 30 Länder sollen das chinesische, KI-gestützte meteorologische Warnsystems MAZU nutzen dürfen.

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AI Made in China – die andere Seite des chinesischen KI-Narrativs

Die Menschheit wird von der rasanten Geschwindigkeit der Entwicklungen im Bereich der Zukunftstechnologien getrieben. Unter vielen Entwicklungsländern ist die Angst, den digitalen KI-Anschluss zu verlieren, groß. Da sind die positiven Worte und der Inhalt der vier Punkte des chinesischen Staatschefs wohlklingend und vielversprechend. Tatsächlich sind die Initiativen Chinas ein wichtiger Beitrag, denn es braucht verbindliche globale Regelungen bei der Weiterentwicklung und Kontrolle von KI.

Mit den von Xi Jinping höchstpersönlich vorgestellten KI-Initiativen bietet die Volksrepublik China Alternativen zu den KI-Initiativen der USA, der EU und anderen. Zudem füllt China die von den USA hinterlassene Lücke auf dem Feld der internationalen Zusammenarbeit und beansprucht eine Führungsposition. Unterstützung kommt dabei nicht nur von den Vereinten Nationen, sondern auch von vielen Staaten des Global Südens.

„Win-Win“ eine Frage der Definition und des Standpunkts

Schlüsselbegriffe wie „Win-Win“, Offenheit, Kooperation, gemeinsame Werte der Menschheit, Inklusion, Sicherheit und „echter“ Multilateralismus sind Teil des chinesischen Narrativs. Zugleich handelt diese Geschichte vom Abstieg und Aufstieg der Großmächte, von der Deutungshoheit über und den Weichenstellungen für die Zukunft.

Aufgrund des Führungsanspruchs der Volksrepublik China empfiehlt sich ein tiefes Verständnis davon, welche Standards, Ethik, Werte und Normen konkret gemeint sind. Und welche Auswirkungen eine globale KI-Governance nach chinesischen Standards im Alltag mit sich bringt.

Wie man sich in Peking die digitale Zukunft vorstellt, zeigt das streng regulierte und zu großen Teilen vom restlichen globalen Internet abgetrennte chinesische „Intranet“. Diese chinesische Version des Internets würde zur weltweiten Blaupause, inklusive sämtlicher Einschränkungen durch die Great Firewall und hoch entwickelter Zensur-Algorhytmen. KI-Agenten sind programmiert, sozialistische Werte zu vermitteln. Unter solchen Rahmenbedingungen verschwinden viele Themen und Informationen und sind unzugänglich. Die Suche nach oder das Veröffentlichen von „verbotenen“ Inhalten könnte Konsequenzen  ach sich ziehen.

Wie sich Offenheit, Zusammenarbeit und Austausch mit der VR China in der Praxis gestalten können, zeigen diverse Streitigkeiten. Die direkte Beteiligung an zahlreichen langjährigen Handels- und Grenzstreitigkeiten verdeutlicht, dass Chinas politisches und wirtschaftliches Handeln primär von nationalen Interessen geleitet ist. Neben „Win-Win“-Rhetorik sind harte Verhandlungen und Sanktionen Bestandteil der Verhandlungsmasse.

Soziale Frage als Herausforderung im KI-Zeitalter

Was kulturelle Vielfalt betrifft, also den „Garten der Zivilisationen“ den es laut Xi Jinping zu pflegen gilt, so lässt sich mit Blick auf Chinas eigenen Garten das ein oder andere ableiten. Wie es dort um das Miteinander unter den ethnischen Minderheiten bestellt ist, zeugt eher von einer Mehrheitskultur mit hohem Assimilationsdruck. Stichwort Sinisierung.

Wenn also die Rede ist von den „gemeinsamen Werten der Menschheit“ und „echtem Multilateralismus“, dann enthalten diese Begriffe andere Definitionen als im westeuropäischen Kontext. So beinhalten Menschenrechte aus chinesischer Sicht primär das Recht auf (wirtschaftliche) Entwicklung, während politische und individuelle Freiheitsrechte weniger Beachtung finden. Inwiefern sich der „echte“ vom „unechten“ Multilateralismus unterscheidet, ist ein weiterer wichtiger Punkt. Der inklusiven Rhetorik zum Trotz lässt sich die gegenwärtige Polarisierung der Weltpolitik nicht von der Hand weisen. Mit zahlreichen Initiativen und der Gründung von Organisationen ist China auch hier ein aktiver Treiber von Veränderungen.

Ob frei zugängliche KI-Software, Überwachungstechnologie oder „Smart City“-Pakete. Chinas digitale Produktpalette ist lang und wird längst in viele Länder exportiert. Zur Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang jedoch auch, dass Einschränkungen im digitalen Raum und der Einsatz von Überwachungstechnologien auch in westlichen Demokratien zunehmend Teil des Alltags sind. Chinas Praktiken und Initiativen halten uns somit den Spiegel vor. Sie zwingen uns, uns zu fragen wie wir im Zeitalter der KI Freiheit definieren und leben wollen.

Wie inklusiv und kooperativ die chinesischen Initiativen tatsächlich sind, wird sich erst zeigen, wenn auch Vertreter der USA, EU und weiterer Industrienationen mit am Verhandlungstisch sitzen. UN-Generalsekretär Guterres hat recht wenn er sagt, der Verhandlungstisch zur Schaffung von Regeln zum Umgang mit KI werde gerade noch gebaut, und jeder solle dort einen Platz finden.

Mehr zum Thema/Quellen

Sechs kleine Drachen aus Hangzhou, China 杭州六小龙 (#137)

THEGUARDIAN: China’s massive AI rollout – podcast
Die China-Korrespondentin des Guardian berichtet von KI im chinesischen Alltag.

Keynote speech by Chinese President Xi Jinping at opening ceremony of 2026 World AI Conference, https://english.news.cn/20260717/893fe11097db460ea31b98f131e34ef0/c.html.

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