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#21 Im Sinoskop: Schöne Neue Welt – Digitale Revolution in China

Digitale Revolution made in China. Ob Künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Automation, oder Big Data – China will in all diesen Bereichen die Nummer Eins werden und schafft bereits die Rahmenbedingungen für den Wandel zur digitalen Gesellschaft. Ob diese eher einer Utopie oder Dystopie ähneln wird, wird die nahe Zukunft zeigen. In der Rubrik “Schöne Neue Welt” betrachtet Sinoskop Aspekte der digitalen Revolution, neuer Technologien und die zunehmende Verschmelzung von analoger und digitaler Wirklichkeit.

Viel Spass beim Lesen!

Digitale Revolution in China, Deutschland und der EU

Die digitale Revolution ist in China in vollem Gange, George Orwell lässt grüßen. Einblicke in Chinas schöne neue Welt:

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Deutschland bei der Digitalisierung nur Mittelmaß

Im aktuellen Index der EU-Kommission für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft 2018 (DESI – The Digital Economy and Society Index) landet Deutschland nur auf Platz 14. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Verschlechterung um drei Plätze und wir verharren seit Jahren im Mittelmaß. Dänemark, Schweden, die Niederlande oder Estland bleiben weiterhin die Europameister des digitalen Fortschritt, ob beim bargeldlosen Bezahlen oder der digitalen Verwaltung.

In der internationalen Wertung steht übrigens Südkorea an der Spitze der Digitalisierung, während China noch hinter den EU-Schlusslichtern Italien, Griechenland und Rumänien rangiert.

Es gibt allerdings auch andere Zahlen, die auf ein ziemlich digitales Bild der Volksrepublik und ihrer Einwohner schließen lassen. Laut des jüngsten Berichts des chinesischen Informationszentrums für Internetangelegenheiten, CNNIC, stieg die Zahl der chinesischen Internetnutzer letztes Jahr auf über 800 Millionen an.

Das Smartphone ist als unentbehrlicher Alltagsbegleiter und Internetzugang immer dabei, ob beim Einkaufen, im Restaurant, am Flughafen oder am Bankautomaten. Und in China ist man längst dabei, den nächsten Schritt auf der Leiter des digitalen Fortschritts zu nehmen, der das mobile Bezahlen per Smartphone bald überflüssig machen soll.

Digitale Revolution in China – Milliarden für KI

Wie bei vielen neuen Technologien sitzen die Vorreiter bei der Gesichtserkennung in China. Seit ihrer Gründung in den 2010ern treiben Sensetime und Megvii Technology Forschung und Entwicklung voran, an den inzwischen milliardenschweren Startups sind die Internetgiganten Alibaba und Tencent beteiligt.

Dank einer Vielzahl an Online-Dienstleistungen zählt das Alibaba-Firmenimperium heute zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Dazu gehören z.B. das Auktionshaus Taobao, der Finanzdienstleister Ant Financial oder der Bezahldienst Alipay (die chinesischen Pendants zu Paypal, Ebay, Amazon). Gegründet wurde Alibaba 1999 von Jack Ma, heute einer der reichsten Menschen der Welt.

Tencent wurde 1998 gegründet und ist heute Chinas Internetriese, gehört ebenfalls zu den wertvollsten Unternehmen weltweit, und Gründer Pony Ma ist einer der reichsten Chinesen. Online-Spiele und die mehr als 800 Millionen Nutzer der Weixin/Wechat-App (das chinesische WhatsApp) machen es möglich.

Jüngstes Beispiel für die Innovationsfähigkeit der Chinesen ist der Siegeszug der TikTok-App. Über eine halbe Milliarde Menschen weltweit nutzen die App für kurze Videos.

Aber die Schattenseiten des e-Business sind vielfältig und können gravierend sein. Datenschutz ist sicher ein Problem, bisher aber kein allzu wichtiges Thema für die meisten der 800 Millionen Internet-Nutzer.

Internet-Sucht im Allgemeinen und Online-Spielsucht im Speziellen ist ein weit verbreitetes Problem. Auch manche Spiel-Inhalte selbst rufen die Behörden auf den Plan, der Zensurapparat ist pausenlos im Netz aktiv. Deren zuletzt hartes Vorgehen sei der Grund für den größten Gewinneinbruch Tencents seit 15 Jahren, berichtet die Wirtschaftswoche.

Ein weiteres Problem ist die Verschuldung durch sogenannte Peer-to-Peer-Kredite, wogegen nun verstärkt vorgegangen wird. Die kaum ein Jahrzehnt alte Branche wurde bisher kaum reguliert, hat aber laut Handelsblatt inzwischen etwa 50 Millionen registrierte Nutzer und ist auf über 170 Milliarden Euro gewachsen. Jetzt will der Staat die zahlreichen Online-Kreditplattformen strenger kontrollieren, da die fehlende Aufsicht zu Wucherzinsen, Plattform-Pleiten und menschlichen Tragödien geführt hat.

Wettlauf um Zukunftstechnologien

Der chinesische Staat setzt voll und ganz auf „Einhörner“ wie Sensetime und Megvii Technology, auf KI und Big Data. Er gewährt Zugriff auf gesammelte Daten, fördert die Entstehung von KI-Entwicklungsparks und treibt den Aufbau eines landesweiten sozialen Bonitätssystems voran. Der Gebrauch des Smartphones in allen Lebenslagen füttert diese Datenbanken pausenlos mit Informationen, lässt sie anwachsen und hilft bei der Verbesserung der Algorithmen.

In den letzten fünf Jahren wurden mehr als die Hälfte aller weltweiten Mittel für die Forschung und Entwicklung von KI in China verwendet, zitiert die FAZ die Pekinger Qinghua-Universität. Großstädte wie Shanghai möchten durch Milliardeninvestitionen zu KI-Zentren werden und den Wandel zur „Smart City“ vollziehen. Auch die Stadt Tianjin will knapp 13 Milliarden Euro in die KI-Förderung investieren.

Chinas großes Ziel: Bis 2030 Weltmarktführer im Bereich KI werden.

Das große Ziel der EU: Bis 2020 Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro

Deutschlands großes Ziel: 3 Milliarden Euro bis 2025

Das Rennen um die technologische Vorherrschaft ist vollem Gange. In China findet die digitale Revolution längst statt.

Mehr dazu:

#36 Xinjiang: Umerziehung, Gehirnwäsche und Big Data

#28 Im Sinoskop: “Made in China 2025” (MIC25)

NZZ: In China mit einem Lächeln bezahlen

DRADIO. Die Supermacht der Algorhitmen

FAZ(€): KI-Vergleich Deutschland-China

WELT: Deutschlands  KI-Stragegie

HB: Globale Konkurrenten im Check – Tencent

ECONOMIST: Face recognition made in China

NZZ: Eine App namens Tiktok


 

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