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#9 Slowbalisation statt globalisation – Viel los in Davos

Das Jahr des Hundes ist fast zu Ende, am 5. Februar beginnt das Jahr des Schweins. Horoskop-Gläubige können sich dank des Erdschweins auf jede Menge Glück, Wohlstand und noch mehr Glück freuen! Die letzten Tage des Hundejahres hatten dennoch einiges zu bieten. Viel Spass beim Lesen dieser kleinen Auswahl.

1. Viel los in Davos

Was man über unsere Bundeskanzlerin, ihren Politikstil und ihr Handeln, denkt, bleibt jedem selbst überlassen. Aber wenn Angela Merkel auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos eine Rede hält, dann hat das Hand und Fuß. Ihr nüchterner Blick auf aktuelle Entwicklungen, mögliche Chancen, Risiken, und Notwendigkeiten, ist sachlich und unverblümt.

Sie sagt “der Kompromiss ist ein Ergebnis von verantwortungsvollem Handeln von Politikern”, den Soziologen Max Weber zitierend und spannt in über 30 Minuten einen großen Bogen, “ohne um den heißen Brei herum zu reden”. Eine für ihre Verhältnisse glühende Rede für Multilateralismus und gegen Nationalismus.

Ein anderer Redner, der mit seiner heftigen Kritik an Xi Jinping im Speziellen und Chinas Aufstieg im Allgemeinen für Aufsehen sorgte, ist der 88-jährige George Soros. Anhand seiner eigenen Biographie beschreibt Soros die Gefahren eines autoritären oder totalitären Systems und warnt speziell angesichts neuer Kontrollmöglichkeiten und Überwachungstechnologien vor den Gefahren für offene Gesellschaften.

In Xi Jinping sieht er den größten Feind einer freien Gesellschaft und trennt dabei strikt zwischen dem chinesischen Volk und dessen Führer. Soros selbst bereiste das Land erstmals 1986, seine Hoffnungen heute ruhen auf einer neuen Generation von Chinesen, die sich ihrer konfuzianischen Werte und Traditionen besinnt und eine Opposition zu Xis Apparat bilden könnte.

Mehr dazu:

#82 Deutsche Parteien & China 2021: Politik, Aktionen, Positionen (II) – CDU/CSU

WELT: Merkel’s Erbe (Text und Video)

WELT: Was Soros bezweckt

NZZ: Zurück zur Weltspitze

HB: George Soros warnt vor Xi Jinping

NZZ: Kommentar zu Soros’ Rede

FAZ: Essay zu Chinas Aufstieg


2. “Slowbalisation” statt “Globalisation”

“Slowbalisation” lautet der Titel des Economist von letzter Woche. Der Ursprung dieser Zeitenwende lässt sich in der Finanzkrise von 2008 ausmachen, seit der das “goldene Zeitalter der Globalisierung” sichtlich ins Stocken geraten ist. Die Folgen für die Weltwirtschaft: weniger ausländische Direktinvestitionen, sinkende Gewinne multinationaler Konzerne, lahmender Welthandel.

Stattdessen gewinnt den Autoren zufolge der Regionalismus wieder mehr an Bedeutung. Dieser wird in die Regionen Nordamerika, Europa und Asien unterteilt und stützt sich demnach wesentlich auf den Dienstleistungssektor innerhalb der jeweiligen Region als potentieller Wachstumsmotor.

Neben den Chancen dieser verstärkten regionalen Entwicklung werden auch politische, finanzwirtschaftliche und geopolitische Gefahren ausgemacht. China kommt hier wie so oft eine Doppelrolle zu, einerseits als Wachstums- und Konsummotor, andererseits wird das Land in der Region – und darüber hinaus – misstrauisch beäugt.

Letztlich lasse sich die Globalisierung auf lange Sicht jedoch kaum aufhalten.

Den ganzen Leitartikel in voller Länge hier lesen.

Kommentar: Ein anderes Wort, um den beschriebenen Regionalismus zu ersetzen, lautet Blockbildung. Nordamerika, Europa und Asien als die drei großen Wirtschaftsblöcke der nahen Zukunft. Auch der lange zu wenig beachtete Kontinent Afrika könnte eines Tages als regionaler Machtblock hinzukommen.

Generell stellt sich die Frage, wie sich diese sogenannte Phase der “Slowbalisierung”gestalten lässt und entwicklen wird?

Schneller oder langsamer, kooperativ oder konfrontativ?

Der Ausgang des Handelsstreits zwischen den USA und China wird hierzu die eine oder andere Antwort liefern können.

Mehr dazu:

FAZ+: Chinas Mittelschicht

TAZ: Weniger Wachstum in China

ZEIT+: Auf der Suche nach einer neuen Architektur der Macht

HB: Neue Gesprächsrunde im Handelsstreit


3. Sehens-/Lesens-/Hörenswertes

DRADIO: Interview zu Digitalisierung und Überwachung

NZZ: Toiletten in Indien und China

TAZ: China investiert enorm in Kohle

SZ: Tourismus in China

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