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#10 Chinesischer Film: “An Elephant Sitting Still”

Zeit für Kunst und Kultur statt Konflikte, Krisen, Katastrophen.

Zeit für Kino.

Zu den erfolgreichsten heimischen Filmen an den chinesischen Kinokassen des Jahres 2018 zählten das Fantasie-Abenteuer “Monster Hunt 2”, die Komödie “Hello Mr. Billionaire”, und allen voran das hochpatriotische Militärabenteuer “Operation Red Sea” an erster Stelle. Sinoskop empfiehlt hingegen:

An Elephant sitting still” (大象席地而坐) von Hu Bo (2018)

Im Gegensatz zu den oben genannten Kinofilmen  zählt “An Elephant Sitting Still” nicht zu den Kassenschlagern, und schaffte es überhaupt nur in Hong Kong auf eine chinesische Kinoleinwand. Nichtsdestotrotz fand der Film unter Cineasten weltweit große Beachtung und wird von der internationalen Kritik längst als Meisterwerk des zeitgenössischen chinesischen Kinos gehandelt.

Dieses Erstlingswerk ist ein wunderbares Kontrastprogramm zum Mainstreamkino und unterscheidet sich stark von gängigen, inflationär gebrauchten Superlativen, oberflächlichen Betrachtungen oder Vorstellungen zu und über China.

Hu Bos Erzählung spielt an einem einzigen Tag in Nordchina und zeigt eine andere Seite des chinesischen Wirtschaftswunders. Es ist die dunkle Seite des “China Dream”, die Seite der Verlierer und der Abgehängten. Und er erzählt diese Geschichte mit derart viel Tiefgang, dass es früher oder später unter die Haut geht. Einen langen Atem sollte man schon mitbringen, denn dieser Film nimmt sich die Zeit, die er braucht. Ungewohnt ist sie, die Überlänge von vier Stunden, aber alles andere als Zeitverschwendung sondern ganz großes Kino.

Mit atmosphärische Dichte werden die bedrückende Tristesse und die gähnende Leere eines hoffnungslosen Alltags glaubhaft transportiert. Dabei sind die Schicksale von Hu Bos Figuren bei weitem keine Einzelschicksale, denn die Verlierer des gesellschaftlichen Wandels in Hochgeschwindigkeit gehen bei einem Milliardenvolk schnell in die Millionen.

Die Weltpremiere auf der Berlinale 2018 konnte Hu Bo schon nicht mehr miterleben. Es wird leider keine Romane oder Drehücher mehr von ihm geben. Mit nur 29 Jahren nahm er sich kurz nach der Fertigstellung seines Erstlingswerks das Leben.

Der Trailer zum Film:

Dieses Video ansehen auf YouTube.

 

Mehr dazu:

SINOSKOP: #12 Chinesicher Film auf der Berlinale 2019

ZEIT: Rezension zu “An Elephant sitting still”

TAZ: Weitere Rezension zum Film

GUARDIAN: Film review “An elephant sitting still”


 

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