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#54 COVID19: Deutschland und die Welt im Coronavirus-Pandemie-Fieber

Coronavirus

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Das neuartige Coronavirus hält die Welt seit Wochen in Atem. Bereits Ende letzten Jahres breitete sich das Virus in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, Provinz Hubei, massenhaft aus. Nach anfänglichem Zögern griff die politische Führung der Volksrepublik China zu radikalen Maßnahmen. Um die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen wurden Ende Januar Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt.

Die Neujahrsfeierlichkeiten zum Jahr der Ratte, der nationale Volkskongress, die chinesische Wirtschaft und das öffentliche Leben – in fast allen Bereichen kam es in China wegen des neuartigen Coronavirus zum Stillstand.

Anfang Februar kritisierten Teile der westlichen Presse diese Schritte noch scharf; die Maßnahmen der Regierung hätten die Bevölkerung “in Gefahr gebracht” und “Panik” ausgelöst. Es sei eine “Schande” und “unwürdig”, dass Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Staatengemeinschaft die Quarantäne von über 50 Millionen Menschen akzeptierten (Süddeutsche Zeitung).

Weiter habe die Regierung in Peking „viel zu spät“ Maßnahmen ergriffen, „es wächst das Chaos“. Die Absage des Volkskongresses sei „eine herbe Niederlage“ für Staats- und Parteichef Xi Jinping (Süddeutsche Zeitung).

In der Coronavirus-Krise machte auch die New York Times früh vermeintliche Schwächen des politischen Systems in der Reaktion der Pekinger Führung aus, diese seien eine “Gefahr für die weltweite Gesundheit”.

Nach Wochen des Ausnahmezustands kehrt China wieder Schritt für Schritt zu einer Art “neuer Normalität im Krisenmodus” zurück. Die Gefahr eines erneuten Ausbruchs besteht jedoch weiterhin fort.

Coronavirus – WHO ruft Pandemie aus

In China haben die drakonischen Eingriffe des Staates scheinbar die gewünschte Wirkung entfaltet. Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb des Festlands der Volksrepublik sinkt offiziellen Angaben zufolge seit Tagen stetig und belief sich am 14. März auf nur 20. Davon soll es sich laut chinesischem Gesundheitsministerium in 16 der 20 Fälle um “importierte” Coronavirus-Infizierte handeln.

Ungeachtet der chinesischen Eindämmungsmaßnahmen breitete sich das neuartige Coronavirus im Rest der Welt ungebremst weiter aus. Die WHO stufte die Verbreitung des neuartigen Coronavirus am 11. März schließlich als Pandemie ein und rief den Notstand aus.

Inzwischen sind auch innerhalb der Europäischen Union ähnlich radikale Maßnahmen wie in der Volksrepublik an der Tagesordnung. Den Anfang machten die „roten Zonen“ in den besonders schwer betroffenen Regionen Norditaliens. Und immer mehr EU-Mitgliedsstaaten sind dem italienischen Beispiel gefolgt und riegeln Land und Leute nach innen wie außen ab.

Und hierzulande gehören seit Mitte März Grenz- und Schulschließungen, massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens sowie Appelle an die Bevölkerung zur „sozialen Distanzierung“ ebenso zu den Mitteln, die eine exponentielle Ausbreitung des neuartigen Coronavirus verlangsamen helfen sollen.

Coronavirus-Pandemie – “Infodemie” und “Epidemie der Desinformation”

Die Berichterstattung zum Coronavirus überschattet derzeit so gut wie alles, dabei bleiben die vielen offenen Fragen zum neuartigen Coronavirus, z.B. der Ursprung des Virus, weiterhin ungeklärt. Auch über Gefährlichkeit und Ansteckungswahrscheinlicheit des Virus ist noch realtiv wenig bekannt. Dieses hohe Maß an Ungewissheit bietet einen idealen Nährboden für

  • Verschwörungstheorien (Virus eine Biologische Waffe, Laborzüchtung der – je nach Standpunkt – Amerikaner/Chinesen).
  • Falschmeldungen und gefährliches Halbwissen (Sesamöl und Knoblauch helfen gegen den Virus).
  • Ausnutzen der Coronavirus-Krise als politisches Instrument, um das eigene Narrativ zu bedienen (Rassismus: “Chinese Virus”; Systemwettbewerb, die Überlegenheit des eigenen politischen Systems).
  • unsoziales bis kriminelles Verhalten (Verkauf von Atemmasken zu Wucherpreisen, Diebstahl von Desinfektionsmitteln, Rassismus gegenüber Menschen aus Asien)

Bekannt ist wiederum, dass eine Infizierung mit dem neuartigen Coronavirus für einen großen Teil der Bevölkerung keine lebensgefährliche Bedrohung darstellt. Beim Großteil der Infizierten ähnelt die Erkrankung einer milden Grippe oder verläuft ohne Symptome. Ein erhöhtes Risiko besteht hingegen vor allem für Menschen, die

  • über 60 Jahre alt sind
  • an bestimmten Vorerkrankungen leiden

Die Suche nach einem Gegenmittel läuft auf Hochtouren, die Forschungsanstrengungen rund um den Globus sind immens. In Zeiten nationaler Rückbesinnung und Populismus ist dies ein Beleg für die Vorteile internationaler Zusammenarbeit. Denn der rasche Informationsaustausch und das Teilen wissenschaftlicher Erkenntnisse unter Forschern – wie z.B. die entschlüsselte Gensequenz des Coronavirus – tragen zur Entwicklung von Testverfahren, Impfstoffen und Medikamenten bei.

Das Gebot der Stunde: Eindämmung und Verlangsamung

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Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen ist jede und jeder einzelne von uns gefragt und aktiv aufgefordert, das eigene Alltagsverhalten diesen außergewöhnlichen Umständen anzupassen. Von offiziellen Stellen und Medizinern empfohlene Verhaltensweisen:

  • regelmäßiges Händewaschen mit Seife und warmen Wasser (mindestens 20 Sek.)
  • Finger aus dem Gesicht
  • In den Ellenbogen oder ein Taschentuch niesen
  • Abstand halten zu erkrankten
  • Regelmäßig lüften
  • “soziale Distanzierung”

Realität Paradox – ‘Made in Germany’

Wie so oft kann man sich auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie mitten in der Mitte Europas ein wenig wie auf einer abgeschotteten Insel fühlen. Mit Scheuklappen und scheinbar etwas fernab all jener Realitäten, die nicht dem eigenen Weltbild oder der gewohnten Norm entsprechen.

Die Gleichzeitigkeit von leeren Supermarktregalen einerseits und gut besuchten Veranstaltungen im öffentlichen Raum andererseits war bis letzte Woche immer noch ein ganz normales Bild in Deutschland. Die Politik greift inzwischen zu entschlossenen Maßnahmen um die Ausbreitung zu bremsen, das Verhalten des Einzelnen hinkt hingegen oftmals noch hinterher. Den teils panikartigen Hamsterkäufen (Nudeln + Toilettenpapier – die10 besten Rezepte für die Coronavirus-Quarantäne hat der Postillion gekürt) auf der einen Seite, steht eine hartnäckige und seltsam anmutende Unbedarftheit im Alltagsverhalten gegenüber. Beides ist nicht rational.

So war auf dem Wochenmarkt einer kleinen mitteldeutschen Universitätsstadt vergangenen Samstag noch “die Hölle los”. Von “Achtsamkeit”, “Abstand-halten-aus-Rücksichtnahme” oder “sozialer Distanzierung” weit und breit keine Spur. Dicht an dicht im Sonnenschein stehend und sitzend wurde Latte Macchiato aus to go-Bechern geschlürft, man umarmte sich und begrüßte sich mit Wangenküsschen.

An den Supermarktkassen steht die zum Teil entnervte Kundschaft ungeduliger als sonst schon in der Warteschlange. Zwar hängen an den Kassen mittlerweile Hinweisschilder mit den Worten “Bitte einen Meter Abstand halten”, “Bitte zahlen Sie bargeldlos”, und “Geben Sie Corona keine Chance!”. Die Umsetzung dieser einfachen Verhaltensweise scheint einem vielleicht schwerzufallen, ein anderer ignoriert sie schlichtweg.

Der Coronavirus breitet sich weiter aus. Die weitreichenden Auswirkungen stellt Staaten und Gesellschaftssysteme auf den Prüfstand, weltweit (siehe auch #55).

Sinoskop ruft auf zum Systemwettbewerb in der Kategorie Solidarität!

Welches Gesellschaftssystem ist das bessere, um die Coronavirus-Pandemie erfolgreich einzudämmen ?

  1. Der autoritäre Überwachungsstaat, welcher vom Zentrum aus vorschreibt wie sich die Bevölkerung zu verhalten hat und radikale Anordnungen von oben mit Massenmobilisierungen und modernster Technik, wenn nötig mit Staatsgewalt, durchsetzt?
  2. Oder die freiheitliche Demokratie, in der man auf den gesunden Menschenverstand und die Aufgeklärtheit des Individuums setzt und durch Transparenz und Konsensfindung die Lage in den Griff zu bekommen versucht?

Auch wenn Sie selbst das Gefühl haben, der Virus würde einen Bogen um Sie machen oder der Meinung sind, dass es schon nicht so schlimm werden wird…

Zeigen Sie Solidarität mit ihren Mitmenschen und tragen Sie im Rahmen des Möglichen und Nötigen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus bei.

Jede und jeder kann mitmachen, die Teilnahme ist kostenlos!

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Mehr zur Coronavirus-Pandemie:

#58 China und das Corona-Narrativ: Mythen, Fakten, Alternative Fakten

#56 Corona-App – „Health Code“ in China

Webseite des Robert-Koch-Instituts

Website der Johns Hopkins Universität, Informationen zum Coronavirus COVID-19

NDR: Coronavirus-Podcast mit dem Virologen C. Drosten


Beitragsbild: “Die Kurve abschwächen” Wikimedia / CC BY-SA 4.0

 

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