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#62 Gedenken an die Opfer von Tiananmen 1989

We can say that if a country wishes to modernise, […] it must also adapt parliamentary democracy as its political system. Otherwise, this nation will not be able to have a market economy that is healthy and modern, nor can it become a modern society with a rule of law. Instead it will run into the situations that have occurred in so many developing countries, including China: commercialisation of power, rampant corruption, a society polarised between rich and poor.

Aus den Memoiren von Premierminister Zhao Ziyang, „Prisoner of the State“

Inhalt
Tiananmen – 31. Jahrestag

Die Mütter von Platz des Himmlischen Friedens

4. Juni 1989 – Gedenken in Hongkong

4. Juni 1989 – Gedenken in Taiwan

Tiananmen

Tiananmen – 31. Jahrestag der Niederschlagung der Protestbewegung 

Wie jedes Jahr scheint es in der Volksrepublik auch Anfang Juni 2020 ruhig und harmonisch zuzugehen. Zumindest an der Oberfläche. In den chinesischen Medien findet sich keinerlei Erwähnung zu den Vorfällen auf dem Platz des Himmlischen Friedens vor 31 Jahren. Das Projekt „das große Vergessen“ ist aus Sicht der Partei ein erfolgreiches.

Unter der Oberfläche aber geht die Kommunistische Partei Chinas allerdings in gewohnter Manier gegen mögliche „Störenfriede“ mit prophylaktischen Maßnahmen vor.

Laut Radio Free Asia haben auch dieses Jahr mehrere Bürgerrechtler und Veteranen der Demokratiebewegung von 1989 unfreiwilligen Kontakt mit der Staatsgewalt. Landesweit sind diese demnach im Vorfeld des Jahrestages überwacht, eingeschüchtert, unter Hausarrest gestellt, verhaftet oder zu einem „Urlaub“ genötigt worden.

Vielleicht verbringen manche der Betroffenen diesen „Urlaub“ auch in einem der berüchtigten „schwarzen Gefängnisse“. Deren bekanntester Insasse ist aus westlicher Sicht der Künstler/Dissident Ai Weiwei, der 2011 für längere Zeit in einem dieser Geheimgefängnisse verschwunden war.

Die „Tiananmen Mütter“

Wie jedes Jahr verfassten die „Tiananmen Mütter“ (tiananmenmother.org) auch 2020 einen offenen Brief an die Parteiführung um Xi Jinping in Peking. Seit über 30 Jahren setzen sich die Mütter der Opfer des Massakers von Platz des Himmlischen Friedens für Gerechtigkeit ein. Sie verlangen die Offenlegung der offiziellen Dokumente zu den Vorgängen im Frühjahr 1989 und eine Entschädigung.

Auch an diesem Jahrestag der Niederschlagung der friedlichen Proteste fordern die 124 Unterzeichnerinnen von den Machthabern die Wahrheit.
Seit 31 Jahren tun sie dies vergeblich.

Gedenken an den 4. Juni in Hongkong

Die Sonderverwaltungszone war bisher der einzige Ort innerhalb der Volksrepublik, an dem Jahr für Jahr der Opfer vom 4. Juni 1989 gedacht wird. Dieses Jahr ist das Gedenken allerdings erstmals verboten worden. Als offizieller Grund wird die Coronavirus-Krise angeführt. Inoffiziell dient dies wohl nur als Vorwand, um der unliebsamen Kritik ein Ende zu setzen.

Trotz des Verbots kommen am Abend wieder Tausende Menschen im Victoria Park zusammen und halten eine Mahnwache ab.

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Aufgrund des verhängten Versammlungsverbots findet das diesjährige Gedenken auch mit verschiedenen Aktionen im Netz statt. Und das „June 4th Museum“ leistet ebenso (noch) einen Beitrag gegen das staatlich verordnete Vergessen.

Einen Audio-Beitrag der Deutschen Welle zum „June 4th Museum“ in Hongkong hier anhören.

Makabres Detail des Tages: Mit einer Mehrheit von 41 Stimmen aller pekingfreundlichen Abgeordneten hat der Legislativrat Hongkongs das umstrittene neue Gesetz zur chinesischen Nationalhymne verabschiedet. Jegliche Verunglimpfung des „Marschs der Freiwilligen“ kann fortan mit hohen Geldstrafen oder einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

Siehe auch  #57 Demokratie unter Druck.

Gedenken an den 4. Juni in Taiwan

Mit verschiedenen Aktionen gedenkt auch die Republik Taiwan der Opfer vom 4. Juni. In einer Stellungnahme der Regierung wird die Führung in Peking aufgefordert, sich für das brutale Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung zu entschuldigen und politische Reformen einzuleiten.

Die Reaktion aus Festland-China ist auch dieses Jahr wenig überraschend. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums bezeichnet die Kritik der abtrünnigen Inselrepublik als „absoluten Nonsens“, berichtet Reuters.

Siehe auch #52 Präsidentschaftswahl 2020: Taiwan hat gewählt.

Mehr dazu:

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  • Weltspiegel Extra: „25 Jahre nach Tiananmen-Massaker“

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  • Zitat, Quelle: „Prisoner of the State, the Secret Journal of Premier Zhao Ziyang“; Simon&Schuster 2009, S.270.

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